Bereit für neue Wege
Mit zwei neuen Stabsstellen möchte der Caritasverband Taunus dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Lara Ciesielski und Tina Janssen erzählen, wie sie neue Mitarbeiter*innen finden wollen. Und wie sie jene, die schon da sind, im Verband halten.
Fachkräfte- und Personalmangel sind längst keine Zukunftsthemen mehr. Sie sind bereits in der Gegenwart angekommen. Ganz besonders gilt das für Pflegeberufe und Sozialarbeit. Um dieser Entwicklung bereits jetzt zu begegnen, hat der Caritasverband Taunus zwei neue Stabsstellen geschaffen: für Talentmanagement sowie für Pflege- und Qualitätsmanagement. Gemeinsam haben sie das übergeordnete Ziel, den Caritasverband bis 2030 zu einem der besten Arbeitgeber im Bereich soziale Arbeit zu machen. Lara Ciesielski, Stabsstelle Talentmanagement, kümmert sich um Mitarbeiterbindung und -weiterentwicklung. Tina Janssen, Stabsstelle Pflege- und Qualitätsmanagement, um die Aus- und Fortbildung sowie Qualitätssicherung in der Pflege.
Fokus auf ambulanter Pflege
Im Pflegebereich ist der Fachkräftemangel gleich doppelt zu spüren. Nicht nur fehlen Pflegekräfte, auch
Tina Janssen, Pflege- und Qualitätsmanagement Sonja Prein
die Nachfrage nach ambulanter Betreuung steigt - ein Bereich, in dem der Caritasverband Taunus stark aktiv ist. "Die Menschen werden immer älter und wollen länger zu Hause wohnen bleiben", sagt Janssen. Deshalb müssen alle Auszubildenden in der Pflege mindestens eine Station in der ambulanten Pflege absolvieren. "Es gibt da diesen Mythos, dass man für die ambulante Pflege nicht viel wissen muss, dass es ein einfacher Job ist", beschreibt sie. "Das stimmt nicht. Es ist sogar ein sehr anspruchsvoller Beruf. Neben der praktischen Versorgung, für die man Einfühlungsvermögen, eine gute kommunikative Kompetenz sowie umfangreiches fachliches Wissen braucht, werden auch täglich administrative Tätigkeiten und Beratung in der ambulanten Pflege geleistet. Zudem ist man als Fachkraft ja immer allein unterwegs und so auch allen Situationen allein ausgeliefert." Das bedeutet, man muss absolut eigenverantwortlich handeln. "Natürlich hat man trotzdem ein Team im Hintergrund, aber beim Klienten ist man allein."
Das gilt natürlich nicht für die Auszubildenden: "Die werden bei uns hervorragend betreut und fahren immer bei einer Fachkraft mit - oft sogar mit der Praxisleitung", erklärt Janssen. Zwischendurch und nach der Tour bleibe genug Zeit zur Reflexion des Erlebten und dafür, gemeinsam an Lernaufgaben zu arbeiten. "So fühlen sich die Auszubildenden immer gut abgeholt und begleitet."
Auch dieser Punkt zeigt, dass der Caritasverband Taunus als Arbeitgeber anderen Pflegediensten etwas voraus hat. "Wir zahlen gut, aber das Zwischenmenschliche ist noch bedeutender. Uns ist es wichtig, dass ein Teamgefühl aufkommt. Niemand wird allein gelassen", sagt Janssen.
Ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit ist Wissensmanagement. "Auch hier sind wir kleineren Pflegediensten gegenüber im Vorteil", betont sie. Dadurch dass die verschiedenen Einrichtungen im Verband sich austauschen, kann man leichter erkennen, welche Probleme immer wieder auftauchen. "Durch die Fusion ist das sogar noch einmal besser geworden, und wir haben noch mehr Möglichkeiten zum Wissenstransfer", sagt Janssen. Beispielsweise gibt es regelmäßige Treffen der Praxisanleitungen, bei denen sie sich über Probleme mit der Ausbildung austauschen und gemeinsam nach Lösungen suchen können. "Außerdem schauen wir auch immer wieder kritisch auf unsere Dokumente und fragen uns, was ist wirklich nötig, um gut arbeiten zu können", sagt Janssen. "Darüber hinaus berichten wir uns hier gegenseitig von besuchten Pflichtfortbildungen."
Feste Stelle für das Recruiting
Dass sich jemand im Verband speziell mit solchen Fragen beschäftigt, ist neu. Auch dass es jemanden
Lara Ciesielski, Stabsstelle TalentmangementSonja Prein
speziell für das Recruiting gibt. "Meine Position wurde geschaffen, weil durch das Ausscheiden der Generation Babyboomer aus dem Berufsleben in den kommenden Jahren sehr viele Stellen nachbesetzt werden müssen", erklärt Ciesielski. Sie arbeitet daran, diese Neueinstellungen schneller und produktiver zu machen. "Das ist auch eine wahnsinnige Entlastung für die Einrichtungsleitungen und das Personal. Sie sind nicht mehr allein damit, Stellen neu zu besetzen."
Mitarbeiter*innen binden
Fast genauso wichtig wie die Suche nach neuen Fachkräften ist es, diejenigen zu halten, die bereits für den Verband arbeiten. "Das ist auch eine meiner Aufgaben", sagt Ciesielski. Sie hat dafür eine klare Formel: finden, binden, weiterentwickeln. "Wenn ich die Mitarbeiter*innen gefunden habe, muss ich erst einmal dafür sorgen, dass sie sich wohlfühlen. Und dann muss ich ihnen Möglichkeiten bieten, sich weiterzuentwickeln. Das macht einen Arbeitgeber attraktiv."
Die Möglichkeit, sich beruflich weiterzuentwickeln, ist besonders im Pflegebereich viel wert. Denn der Job ist hart, das weiß auch Janssen, die selbst einmal als Altenpflegerin gearbeitet hat. Deshalb freut sie sich über jede Möglichkeit, eine Weiterbildung zu ermöglichen: "Bei uns in der Pflege gab es eine Kollegin, der der Schichtdienst zu viel wurde. Für sie konnten wir dann eine Stelle in der Pflegeberatung schaffen, die ohnehin gebraucht wurde. Und die Mitarbeiterin ist geblieben." Für Janssen zeigt dieses Beispiel: Beim Caritasverband Taunus ist man bereit, neue Wege zu gehen. "Natürlich müssen wir auch immer schauen, was finanzierbar ist. Aber die Innovationsfreudigkeit ist da."
Viele Auszubildende aus dem Ausland
Auch im Hinblick auf neue Auszubildende geht der Verband neue Wege - gezwungenermaßen, denn hier sind die Bewerber*innen rar. "Wir bekommen im Moment viele Auszubildende aus dem Ausland. Das Sprachniveau ist super, und sie sind alle sehr engagiert", sagt sie. Nur: Diese Auszubildenden müssen anders betreut werden. Denn neben einem neuen Beruf starten sie in den neuen Lebensabschnitt in einem völlig fremden Land. "Die brauchen dann vielleicht auch einmal Hilfe bei ganz trivialen Dingen wie der Eröffnung eines Kontos oder der Wohnungssuche", sagt Janssen.
Dazu kommt: Seit der Fusion ist die Ausbildungskoordination noch komplizierter geworden: "Bei der Ausbildung müssen ohnehin schon viele Stellen zusammenarbeiten: das Controlling, das Personal in der Einrichtung, die Einrichtungsleitung und die Ausbildungsleitung", erklärt sie. Damit das auch in Zukunft reibungslos funktioniert, müssen die Prozesse der ehemals zwei Verbände vereinheitlicht werden. "Daran arbeiten wir gerade auch." Das betrifft in erster Linie die Ausbildung in der Pflege. "Wenn das erst einmal etabliert ist, wollen wir die Prozesse aber auch auf andere Bereiche ausweiten", sagt Ciesielski.
Regelmäßiger Azubi-Tag
Beide neuen Stabsstellen sind eher im Hintergrund aktiv. Dort aber dann unermüdlich im Einsatz für die Mitarbeiter*innen des Verbands. "Uns ist es ganz wichtig, dass alle das Gefühl haben, dass sie gehört und wertgeschätzt werden", sagt Ciesielski. Deshalb schafft sie aktiv Angebote zur Mitarbeit. "Für unsere Auszubildenden gibt es beispielsweise zwei- bis dreimal im Jahr einen Azubi-Tag." Hier können sie sich gegenseitig kennenlernen, austauschen und neue Verbindungen knüpfen. "Uns ist es wichtig, dass sie sich nicht wie das letzte Glied in der Kette fühlen, sondern als Teil der Dienstgemeinschaft."
Auch für alle anderen Mitarbeiter*innen gibt es Möglichkeiten, sich aktiv zu beteiligen. Sie werden regelmäßig zu verschiedenen Angeboten eingeladen, per Mail oder per verbandseigener Mitarbeiter-App. Das Feedback für diese Anstrengungen fällt bisher sehr positiv aus: "Viele Mitarbeiter*innen haben bisher noch nie erlebt, dass sie dazu aufgefordert werden, mitzugestalten", berichtet Janssen. Das trägt zur Mitarbeiterbindung bei. "Es zählen eben nicht immer nur die Benefits, sondern auch das Zwischenmenschliche ist wichtig", sagt Ciesielski.