Fairness im Fokus
Das vergangene Jahr stand für die Caritas Läden und Anziehpunkte ganz im Zeichen des Zusammenwachsens. Mit einem neuen Namen und einem gemeinsamen Konzept wird diese Arbeit nun konsequent weitergeführt.
Was ist der Unterschied zwischen einem Caritas Laden und einem Anziehpunkt? Bald keiner mehr, wie
Anja Dürringer, Abteilungsleiterin Sozialraum- und Freiwilligenmanagement, und Manuela Hofmann, Storemanagerin fairkauf Hattersheim und Hofheim Sonja Prein
Manuela Hofmann, Koordinatorin des Anziehpunkts Hattersheim, berichtet: "Wir führen für alle Läden eine gemeinsame Marke ein: ,fairkauf-Secondhand by Caritas’." Die unterschiedliche Benennung der Secondhand-Läden stammt noch aus der Zeit vor der Fusion der Caritasverbände Hochtaunus und Main-Taunus. "Die beiden Verbände hatten leicht unterschiedliche Konzepte in den Läden", sagt Anja Dürringer, Abteilungsleitung Sozialraum und Freiwilligenengagement. So waren die Läden im Main-Taunus-Kreis beispielsweise von Anfang an für alle Kund*innen geöffnet, während jene im Hochtaunuskreis zeitweise nur an Menschen mit Unterstützungsbedarf und entsprechender Kundenkarte verkauften.
"Uns war klar, dass es nach der Fusion eine einheitliche Linie braucht. Aber wir wollten nicht direkt mit einer Umbenennung starten, sondern erst einmal als Team zusammenwachsen. Nachdem das jetzt sehr gut geklappt hat, ist es Zeit für die Neuausrichtung." Auch der neue Name sei eine gemeinschaftliche Entscheidung gewesen. "Wir haben in den Läden einen kleinen Wettbewerb ausgeschrieben und Namensvorschläge gesammelt", sagt Dürringer. Diese seien dann gemeinsam mit dem Vorstand und den Kolleginnen der Öffentlichkeitsarbeit gesichtet worden. "So wollten wir sicherstellen, dass sich nachher auch alle mit dem neuen Namen wohlfühlen."
Neue Zielgruppe ansprechen
Die Neuausrichtung geht jedoch weit über eine bloße Umbenennung hinaus. Das wird auch deutlich, wenn man sich den neuen Namen einmal genauer anschaut. "Wir möchten neben der sozialen Funktion, die unsere Läden ja schon immer erfüllen, auch die Nachhaltigkeit mehr in den Fokus rücken", sagt Dürringer. Also: faire Preise, verbunden mit nachhaltigerem Konsum. fairkauf steht für beides.
"Das Thema Nachhaltigkeit hat in den vergangenen Jahren gesellschaftlich eine unglaubliche Dynamik entwickelt", sagt Hofmann. Das mache sich auch in den Läden bemerkbar. "Es kommen immer mehr junge Menschen zu uns, die sich explizit für Secondhand-Kleidung interessieren." Junge Menschen, das seien vor allem Schüler*innen und Student*innen, die sich bewusst für ein nachhaltigeres Einkaufsverhalten entscheiden. Ein weiterer Vorteil: In den Läden gibt es keine Mode von der Stange: "Wir verkaufen ja eigentlich immer Einzelstücke. Da ist die Individualität quasi garantiert", sagt Hofmann.
Mehr Aufmerksamkeit auch durch Social Media
Diese neue Käufer*innengruppe zu halten und weiter auszubauen sei ein klares Ziel für das kommende Jahr, erklärt Dürringer. Das betreffe auch das Marketing: "Wir planen einen gemeinsamen Social-Media-Auftritt, um unsere Bekanntheit zu steigern und die neue Marke zu etablieren." Bislang verfügen die Läden über keinen eigenen Kanal. Welchen Effekt digitale Aufmerksamkeit haben kann, zeigte kürzlich eine Influencerin, die den Laden in Schwalbach besuchte. "Sie hat in ihrem Video unseren Laden erwähnt und gezeigt, was sie dort gekauft hat. Das haben wir direkt gespürt, die Tage nach dem Video war es deutlich voller", sagt Dürringer. Das sei zwar reiner Zufall und keine geplante Kooperation gewesen, aber sie könne sich so etwas in Zukunft durchaus vorstellen. "Wir müssen da definitiv moderner werden", sagt sie. Bereits etabliert seien Pop-up-Stände bei Stadtfesten und einige Eventreihen in einzelnen Shops. Das alles sorge bereits für Aufmerksamkeit für die Läden. "Auch hier ist noch mehr geplant. Wir denken gerade über eine Textilreparaturwerkstatt und ein Upcycling-Projekt nach. Auch Modenschauen sind immer mal im Gespräch und werden schon an einigen Standorten durchgeführt", sagt Dürringer.
Großes ehrenamtliches Team
Das Interesse an den Läden sei aber nicht nur auf Kundenseite gestiegen. Auch im Team der Ehrenamtlichen habe sich einiges getan, berichtet Hofmann: "Insgesamt gibt es in unseren sechs Läden ungefähr 220 Ehrenamtliche zwischen 17 und 89 Jahren." Die jüngeren Helfer*innen kämen oft durch Schulprojekte oder Social Days mit dem Projekt in Berührung. Auch hier sei die Motivation für das Ehrenamt häufig aus dem Wunsch geboren, sich mehr für die Nachhaltigkeit einzusetzen. "Das ist auch bei vielen unserer älteren Ehrenamtlichen so", sagt sie. Aber hier kommen auch noch andere Gründe hinzu, wie soziale Teilhabe oder der Wunsch nach weiterer Beschäftigung im Ruhestand.
Mit der gemeinsamen Neuausrichtung sollen die Läden künftig noch stärker miteinander vernetzt werden. "Im Moment sind es vor allem die Koordinator*innen, die miteinander im Austausch sind", sagt Dürringer. Dabei gehe es einerseits um anstehende Veranstaltungen, andererseits auch um die Lagerbestände. "Wenn in einem Laden Kinderkleidung fehlt, ein anderer jedoch einen Überschuss hat, helfen wir uns da gegenseitig aus", sagt auch Hofmann. Außerdem habe nicht jeder Laden geeignete Lagermöglichkeiten, daher sei eine enge Abstimmung untereinander sehr wichtig. Bei den Ehrenamtlichen sieht das etwas anders aus: "Da gibt es eigentlich nur über die Veranstaltungen einen richtigen Austausch. Da besuchen sie sich dann gerne einmal gegenseitig." Aber auch hier gebe es schon erste Gedanken, wie man die Vernetzung verstärken könnte.
Bezahlbare Kleidung - aber nachhaltig!
Bei aller Weiterentwicklung bleibt der soziale Auftrag der Läden unverändert. "Daran wird auch ein neuer Name nichts ändern", stellt Hofmann klar. "Wenn jemand ohne Schuhe zu uns in den Laden kommt, dann helfen wir und finden Schuhe für ihn. Wenn die Familienhilfe Kinderkleidung benötigt, stellen wir sie bereit." Und auch die erwirtschafteten Gewinne kommen weiterhin anderen Projekten des Caritasverbandes zugute. "Das ist ja das Tolle an unserem Job: Wir stellen bezahlbare Kleidung zur Verfügung, bringen Leute zusammen, handeln nachhaltig ‒ und das alles auch noch für einen guten Zweck. Das ist richtig schön!"