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Jahresbericht 2025

Nachhaltiges Ehrenamt

Heidrun Protte engagiert sich seit mehr als fünf Jahren ehrenamtlich im Caritas Laden in Neu-Anspach. Dort setzt sie sich nicht nur für nachhaltige Mode ein, sondern auch für mehr Austausch zwischen den Läden im Caritasverband Taunus.

Heidrun Protte engagiert sich seit mehr als fünf Jahren ehrenamtlich im Caritas Laden in Neu-Anspach. Dort setzt sie sich nicht nur für nachhaltige Mode ein, sondern auch für mehr Austausch zwischen den Läden im Caritasverband Taunus.

Frau Protte, wie sind Sie zu Ihrem Ehrenamt gekommen?

Heidrun Protte: Ich bin 2019 aus dem aktiven Berufsleben ausgestiegen und in den Ruhestand

Eine Frau steht an einem Tresen mit Kasse. Sie träft eine blonde Kurzhaarfrisur und einen blauen Blazer über einem weißen Oberteil. Sie lächelt in die Kamera. Heidrun Protte, ehrenamtliche Mitarbeiterin im fairkauf Neu-AnspachSonja Prein

gegangen. Für mich stand damals schon fest, dass ich weiter aktiv sein möchte, und ich habe nach einer sinnvollen Aufgabe gesucht. 2020 habe ich dann im Caritas Laden angefangen.

Warum fiel Ihre Wahl auf die Arbeit im Caritas Laden?

Protte: Nachhaltigkeit liegt mir sehr am Herzen. Mein Vater war Förster, und ich bin quasi im Wald groß geworden. Die Natur und ihr Erhalt sind für mich genauso wichtig wie Essen und Trinken. Mit meinem Ehrenamt im Laden kann ich einen kleinen Teil dazu beitragen, die Welt etwas nachhaltiger zu machen. Jeder Kauf bei uns hilft gegen den Fast-Fashion-Wahnsinn und hält die Kleidung, die wir bekommen, im Kreislauf.

Haben Sie sich bewusst für einen Secondhand-Laden entschieden, der vom Caritasverband betrieben wird?

Protte: In erster Linie nicht. Ich lebe in Neu-Anspach und kannte den Laden daher schon. Wegen gesundheitlicher Einschränkungen bin ich auf eine gewisse Flexibilität angewiesen, und den Laden kann ich gut zu Fuß erreichen. Aber ich bin sehr froh über den sozialen Aspekt dieses Ehrenamts, auch wenn das zuerst nicht die Motivation war, mich hier zu engagieren. Ich habe früher in einer Bank gearbeitet. Da musste es immer schneller, weiter, höher gehen, und die Menschlichkeit blieb da manchmal auf der Strecke.

Wie sieht Ihr "Berufsalltag" heute aus?

Protte: Meistens bin ich mittwochs hier und arbeite dann von der Ladenöffnung um 10 Uhr bis 15 Uhr. Ich arbeite am liebsten im Verkaufsraum und an der Kasse. Unsere Präsenz im Laden ist wichtig, damit sich unsere Kund*innen auch trauen, uns anzusprechen. Viele Menschen brauchen Beratung, Unterstützung und manchmal auch Ermutigung.

Kaufen Sie manchmal auch selbst im Laden ein?

Protte: Ja, natürlich. Ich musste mich für meinen Job in der Bank früher immer sehr konservativ kleiden. Heute kann ich mich da mehr ausleben. Wir haben eine große Auswahl hier im Laden und beraten uns gegenseitig. Und für meine Enkel kaufe ich auch regelmäßig hier ein. Meine Tochter legt großen Wert darauf, nur gebrauchte Kinderkleidung zu kaufen. Die ist dann schon häufiger gewaschen, und es sind weniger Chemikalien aus der Herstellung in den Kleidern. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern auch noch gesund.

Wie viele Ehrenamtliche gibt es in Ihrem Laden?

Protte: Wir sind circa 30 Ehrenamtliche, und dann ist da ja auch noch Herr Karl, der für die Koordination verantwortlich ist. Wir sind aber natürlich nie alle gleichzeitig im Laden, sondern an unterschiedlichen Tagen in unterschiedliche Teams eingeteilt. Wir besprechen uns aber sehr viel untereinander und verstehen uns sehr gut. Natürlich gibt’s auch mal Diskussionsbedarf - aber das ist in so einer großen Gruppe ganz normal. Da kommen viele verschiedene Persönlichkeiten zusammen und auch viele verschiedene Motivationen für das Ehrenamt.

Welche Motivationen gibt es denn da so?

Protte: Das ist wirklich sehr durchmischt, soweit ich das beurteilen kann. Manche möchten sich mehr betätigen und im Ruhestand nicht nur zu Hause sitzen. Manche möchten sich sozial engagieren. Andere möchten sich, wie ich ja auch, für die Nachhaltigkeit einsetzen. Und meistens ist es eine Mischung aus all dem und noch viel mehr.

Was steht 2026 für Sie und den Laden an?

Protte: Es wird sich viel verändern, glaube ich. Wir bekommen ja gemeinsam mit den Anziehpunkten einen neuen Namen. Alle Läden im Verbandsgebiet werden in Zukunft "fairkauf" heißen. Für unsere Kund*innen wird es wieder mal eine Veränderung sein.

Wieder einmal? Was hat sich denn in letzter Zeit sonst so verändert?

Protte: Wir sind umgezogen. Aus einem Industriegebäude in das Feldbergcenter hier in Neu-Anspach. Der neue Laden sieht wirklich gut aus, und ich hoffe, dass wir damit noch mehr Menschen ansprechen können. Wir stehen ja in direkter Konkurrenz zu vielen Onlineangeboten für Secondhand-Mode. Aber viele Menschen schätzen es dann doch sehr, einen Laden um die Ecke zu haben. Bei uns können sie die Sachen anfassen und anprobieren. Das geht online nicht. Das müssen wir noch mehr in den Vordergrund rücken.

Sie wünschen sich also mehr Werbung für den Laden?

Protte: Nicht unbedingt mehr Werbung, aber auf jeden Fall mehr Öffentlichkeitsarbeit. Ich würde mir wünschen, dass wir noch mehr und selbstbewusster in die Öffentlichkeit gehen mit dem, was wir hier machen. Wir leisten hier so viel für die Umwelt und die sozialen Projekte, die mit unseren Einnahmen unterstützt werden. Das sollte sichtbar werden.

Was wünschen Sie sich noch?

Protte: Im Moment gibt es keinen Austausch mit Ehrenamtlichen aus den anderen Läden des Caritasverbandes Taunus. Es wäre schön, wenn sich das mit der Einführung der gemeinsamen Marke ändern würde. Die Koordinationen der Läden tauschen sich zwar regelmäßig aus, aber nicht wir Ehrenamtliche. Dabei haben wir ganz eigene Einblicke in das Tagesgeschäft und einen großen Erfahrungsschatz. Ich war zwar privat einmal in einem der anderen Läden und habe mir angeschaut, was dort anders läuft. Insgesamt fehlt dieser Austausch aber. Vielleicht könnte man in Zukunft ein- bis zweimal im Jahr zusammenkommen und so voneinander lernen. Das wäre wirklich schön.

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