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Jahresbericht 2025

Trauernde fühlen sich oft allein gelassen

Die Trauerbegleitung hat im vergangenen Jahr ihr Angebot weiter ausgebaut. Koordination Manuela Sauerbier und die Ehrenamtliche Carmen Evers berichten von ihrer Arbeit und davon, wie sie sich verändert hat.

Die Trauerbegleitung hat im vergangenen Jahr ihr Angebot weiter ausgebaut. Koordination Manuela Sauerbier und die Ehrenamtliche Carmen Evers berichten von ihrer Arbeit und davon, wie sie sich verändert hat.

Frau Sauerbier, Sie sind nun schon über ein Jahr als Koordinatorin für die Trauerbegleitung tätig. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Sauerbier: Ich glaube, es hat sich vor allem unser Angebot deutlich vergrößert. Wir bieten inzwischen

Manuela SauerbierManuela Sauerbier, Koordinatorin TrauerbegleitungSonja Prein

neben unseren Gruppen- und Einzelangeboten auch einen Einstiegskurs in das Thema Trauer an. Dort bilden wir Menschen aus, die sich mit dem Thema Trauer intensiver beschäftigen wollen. Das hat sich richtig gut etabliert und wird auch gut angenommen.

Das ist also ein Angebot, das sich nicht nur an Trauernde selbst richtet?

Sauerbier: Ja, genau. Es geht auch darum, den Blickwinkel auf das Thema Trauer zu erweitern. Wie begegne ich Trauernden? Was ist eigentlich vorweggenommene Trauer? Wie können wir das Thema wieder mehr in die Mitte der Gesellschaft bringen? Der Austausch im Kurs ist wirklich ganz wertvoll, und die Teilnehmer*innen gehen da mit ganz neuen Impulsen raus.

Und welche Angebote gibt es für Trauernde?

Sauerbier: Trauer ist sehr individuell, und deshalb versuchen wir auch möglichst viele verschiedene Formate anzubieten. Wir haben Trauerspaziergänge, bei denen der Fokus eher auf der gemeinsamen Begegnung liegt. Die Spaziergänge finden in Kooperation mit einer Kirchengemeinde und dem Hospizdienst in Bad Homburg statt. Friedhofsgespräche, die sich nicht nur an unmittelbar Trauernde richten. Trauer-Cafés in Kooperation mit einer Kirchengemeinde und einem Trauerzentrum, wo wir einfach einen Ort zum Austausch schaffen. Dann haben wir unsere geschlossenen Trauergruppen, die ganz klar für die Vernetzung und den engeren Austausch der Trauernden untereinander gedacht sind. Und natürlich unsere Einzelbegleitungen. Ein weiteres Gruppenangebot für verwaiste Eltern soll noch in diesem Jahr starten.

Das ist ja wirklich ein sehr umfangreiches Angebot. Wie groß ist denn Ihr Team?

Sauerbier: Das Team besteht im Moment aus mir als Hauptamtlicher und 28 Ehrenamtlichen. Ohne sie wäre das alles nicht zu bewerkstelligen. Viele von ihnen kommen aus dem sozialen Bereich. Wir haben Sozialarbeiterinnen, Lehrerinnen, eine Ärztin. Aber wir haben auch Leute aus der Wirtschaft und sogar einen Musiker. Und viele von ihnen haben selbst schon eigene Erfahrungen mit Trauer gemacht. Und so kommt ein unfassbar wertvoller Erfahrungsschatz zusammen.

Frau Evers, Sie sind eine dieser Ehrenamtlichen. Wie sind Sie zur Trauerbegleitung gekommen?

Evers: Genau, ich bin seit 2009 als Ehrenamtliche für den Caritasverband tätig. Ich habe früher als Finance Director im internationalen Bereich gearbeitet. In meiner Firma gab es Volunteer Days, und dadurch bin ich dann das erste Mal mit Hospizarbeit in Berührung gekommen und war dort dann ehrenamtlich tätig. 2012 hatte ich einen Todesfall in der Familie und habe deshalb erst einmal eine Pause eingelegt. Irgendwann habe ich gelesen, dass das Hospiz in Oberursel Helfer*innen sucht, und so bin ich dann zum Caritasverband gekommen und über die trauernden Angehörigen dann auch zur Trauerbegleitung.

Also sind Sie schon seit 17 Jahren ehrenamtlich in der Trauerbegleitung tätig. Eine lange Zeit. Was ist heute anders als damals?

Evers: Es hat sich sehr viel verändert. Das fängt schon bei der Zusammensetzung des Teams an. Im

Eine Frau mit blondem Kurzhaarschnitt trägt einen pinken Blazer über einem grauen Oberteil. Sie trägt ebenfalls eine pinke Kette und eine Ansteckblume. Sie lächelt in die Kamera. Carmen Evers, ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Trauerbegleitungprivat

Caritasverband sind wir damals mit sechs Hauptamtlichen und sechs Ehrenamtlichen gestartet. Heute ist Frau Sauerbier die einzige Hauptamtliche, und unser Team an ehrenamtlichen Helfer*innen ist auf 28 Personen angewachsen. Und auch die Menge an Begegnungen ist stark gewachsen.

Was meinen Sie mit Begegnungen?

Sauerbier: Wir zählen in der Trauerbegleitung die einzelnen Begegnungen mit den Trauernden. Jede Begegnung zählt, ob die Person zum ersten Mal oder wiederholt zu uns kommt. 2022 - als wir diesen Wert das erste Mal erhoben haben - waren es noch 70 Begegnungen. 2025 waren es schon 354. Daran kann man klar sehen, wie stark die Nachfrage und auch unser Angebot gewachsen ist.

Wird ein bestimmtes Angebot besonders nachgefragt?

Evers: Ich habe das Gefühl, besonders die Nachfrage für die Einzelbegleitungen steigt. Es gibt immer noch einen Mangel an Therapieplätzen in Deutschland. Wir betonen zwar immer wieder, dass wir keine Therapie machen, aber die Menschen kommen trotzdem zu uns. Viele von ihnen erzählen, dass sie in ihrem Umfeld keine Möglichkeit haben zu trauern, dass es dort kein Verständnis dafür gibt.

Sauerbier: Das beobachten wir auch außerhalb der Einzelbegleitungen. Trauernde fühlen sich oft allein gelassen, von ihrem privaten Umfeld, aber auch von ihren Arbeitgeber*innen oder der Schule. Da herrscht immer noch viel Unsicherheit. Ich würde mir wünschen, dass das Thema auch in diesen Bereichen mehr Raum bekommt. Ganz besonders Schulen könnten da noch viel mehr machen.

Haben Sie auch Angebote für Kinder und Jugendliche?

Sauerbier: Nein, wir haben uns bewusst dagegen entschieden. Im Main-Taunus-Kreis gibt es schon gute Angebote für Kinder und Jugendliche, da braucht es uns nicht.

Evers: Aber in der Einzelbegleitung haben wir zunehmend mehr junge Menschen. Ich bin froh über jede Person, die den direkten Austausch sucht - viele greifen auch zu Onlinetools und KI-Angeboten, die oft ja kein so durchdachtes Konzept haben wie unsere Angebote oder eben eine richtige Therapie.

Sind die Ehrenamtlichen in der Trauerbegleitung besonders ausgebildet?

Evers: Wir haben alle den Grundlagenkurs gemacht, von dem Frau Sauerbier schon erzählt hat. Ich habe darüber hinaus eine weiterführende große Basisqualifikation absolviert, zertifiziert nach dem Bundesverband der Trauerbegleiter. Außerdem haben wir ein Mentoringprogramm für unsere Trauerbegleiter*innen, sodass sie betreut werden und mit dieser Aufgabe nicht allein dastehen.

Sauerbier: Wir versuchen im Moment, all unseren Ehrenamtlichen die Trauerausbildung zu ermöglichen. Es gibt einen Grundkurs, der vom Bundesverband für Trauerbegleitung anerkannt wird. Den bauen wir gerade bei uns auf, und das ist in den letzten Zügen. Das Problem ist, diese Ausbildung ist kostenintensiv, und wir können sie erst dann für all unsere Ehrenamtlichen anbieten, wenn wir sie selbst durchführen können.

Gab es im vergangenen Jahr einen Moment, der Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Evers: Ich hatte in der Einzelbegleitung eine Mutter, deren Sohn verstorben ist. In unserem ehrenamtlichen Team gibt es einen Musiker, der angeboten hat, für den Sohn ein Stück zu komponieren. Sie haben dann gemeinsam viel über das verstorbene Kind gesprochen, und er hat angefangen zu komponieren. Pünktlich zum Todestag war das Stück dann fertig, und wir sind gemeinsam zu dem Musiker gefahren, um es anzuhören. Drei Mal hat er es gespielt. Sie hat ihren Sohn sofort darin wiedererkannt, und auch ich habe ihn durch die Musik so deutlich vor mir gesehen. Das war unfassbar berührend. Musik kann so viel vermitteln.

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